Wie präsent ist das Thema „Erziehung“?

  • Geschwister-Gummi-Stiftung

Ein Interview mit Elsbeth Oberhammer

Ganz privat, in den sozialen Medien oder mit Familie und Freunden? Fragen zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen werden in unterschiedlicher Art und Weise debattiert. Auch die fit für kids-Kurse der Geschwister-Gummi-Stiftung wollen Eltern und Familien bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe unterstützen. Ob das notwendig ist, verrät Elsbeth Oberhammer, Fachbereichsleitung bei der Geschwister-Gummi-Stiftung und Leitung der fit für kids-Kurse.

 

Frau Oberhammer, wie präsent ist denn „Erziehung“?

Elsbeth Oberhammer: Erziehung ist ein wichtiger Teil unseres Alltags und allgegenwärtig. Eltern lernen im Gespräch voneinander und profitieren von den jeweiligen Erfahrungen. Wie geht es mit den Kindern? Was machst du? Wie machst du dies und jenes? Das sind typische Fragen. Kinder stehen sehr im Fokus unserer Aufmerksamkeit und da braucht es viel Austausch.

Früher gab es ja große, familiäre Netzwerke. Wie ist das heute?

Schon seit vielen Jahren werden unsere familiären Netzwerke immer kleiner. Und ich habe den Eindruck, die Erfahrung der Älteren wird nicht mehr so wertgeschätzt wie früher. Das ist in manch anderen Kulturen anders, das beobachte ich immer wieder.

Wie ist das zu bewerten?

Unsere jungen Familien sind, zum Glück, sehr selbstbewusst. Sie haben oft eine konkrete Vorstellung von Erziehung, orientieren sich an ihrer peer group und wollen das dann auch so machen. Ich würde mir aber auch wünschen, dass manche in die Erfahrungen der Älteren mehr Vertrauen haben, auch wenn sich die Welt scheinbar immer schneller verändert. Manches bleibt eben doch gleich und das könnte sehr entlastend wirken, sich auch mal auf die Erfahrung der Mütter und Großmütter zu verlassen.

In welchen Bereichen zum Beispiel?

Was die Gelassenheit im Umgang mit den Kindern angeht, beispielsweise. Kinder müssen nicht perfekt sein, das leben Ältere oftmals besser vor. Durch ihre Erlebnisse haben sie das Vertrauen entwickelt, dass sich manche Dinge auch wieder zum Guten wenden. Sie haben manchmal mehr Geduld für all die Umwege, die Kinder in ihrer Entwicklung so nehmen. Vieles braucht einfach Zeit. Und, wenn man selbst in einer Problemsituation steckt, dann fehlt einem gerade der vertrauensvolle Blick in die Zukunft. Hier können ältere Gesprächspartner helfen. Aber ich denke auch in vielen anderen Situationen und wenn es auch nur ums Zuhören geht.

Ist Erziehung heute nicht auch schwieriger geworden?

Ich denke, wir machen sie uns selbst ein Stück schwieriger. Wir haben einen höheren Anspruch an uns selbst und unsere Kinder, wie sie sein sollten, was sie können müssten, was sie in ihrer Freizeit tun. Freizeitstress ist eine Tatsache!

Und es fehlt häufig an der Zeit füreinander und miteinander.

Was bedeutet das für die Kinder?

Sie fühlen sich unter Druck. Ich würde mir manchmal wünschen, dass wir die Kinder auch wieder Kinder sein lassen. Das wenige Positive an der Pandemie war ja auch, dass der Alltag vieler Menschen entschleunigt worden ist: keine vollen Terminkalender mehr, kein Hetzen von einem Ort zum anderen. Diese Erfahrung sollten wir uns bewahren und unseren Kindern und uns selbst mehr Auszeiten gönnen. Die Tage müssen nicht randvoll mit Events vollgepackt sein – gerade Kinder brauchen Zeit Eindrücke und Erlebnisse auch verarbeiten zu können.

Mit dem Wissen und dem Erfahrungsschatz aus den fit für kids-Kursen?

Ja. Was unsere Kurse leisten, ist einerseits Wissen zu vermitteln und möglicherweise ein Stück Gelassenheit. Die Themen sind breit gefächert und beschäftigen die Familien in unterschiedlichem Maß. Alle jedoch erfahren gemeinsam: Es geht anderen auch so. Alle Eltern werden verschiedene Sichtweisen und neue Perspektiven kennenlernen.

Wenn ich mich im Kurs mit den Entwicklungsschritten der Kinder beschäftige, kann ich besser einschätzen, wo mein Kind steht.

Beim Thema „Das Geheimnis starker Eltern“ erfahren sie bedenkenwertes zu Haltung und Orientierung - wunderbar erklärt von Martina Maar.

Mein besonderer Favorit in diesem Programm ist der Kurs Cyberfamily 2.0: Ohne erhobenen Zeigefinger, der vor der bösen digitalen Welt warnt, sondern ein erfrischend natürlicher Umgang und eine vorurteilsfreie Herangehensweise an das Thema Digitale Welt, vorgestellt von zwei sehr erfahrenen Erziehern.

gummi-stiftung.de

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