Als Elizangela Silva de Santana Juhas vor 14 Jahren im Flugzeug von Brasilien nach Deutschland saß, wusste sie noch nicht, wohin ihr Weg sie führen würde. Heute, fast 15 Jahre später, ist von einem Neuanfang kaum noch etwas zu spüren: Schwester Eli, wie sie im Mainleuser Stift genannt wird, ist dort Pflegefachkraft, Wohnbereichsleitung und vor allem ein fester Bestandteil der Einrichtung.
Dabei war der Weg von Elizangela Silva de Santana Juhas in der Pflege in Deutschland keineswegs vorgezeichnet: Ihre Ausbildung und Qualifikation, die sie in einem brasilianischen Gesundheitsamt einbrachte, wurde hier nicht anerkannt.
Am Anfang stand ein Praktikum
Ein Schulpraktikum in der früheren Seniorenwohnanlage Mainpark der Diakonie Kulmbach stellte für sie schließlich die Verbindung zur Altenpflege her. Wieder, denn in Brasilien war sie im Rahmen verschiedener Projekte zur gesundheitlichen Aufklärung auch in Kindertagesstätten oder Senioreneinrichtungen unterwegs. „Das Praktikum hat mir sehr gefallen und ich habe mich entschieden: Das möchte ich machen“, erzählt die 42-Jährige heute.
Wegen ihrer damals noch nicht ausreichenden Deutschkenntnisse hat sie zunächst eine Ausbildung zur Pflegefachhelferin absolviert und anschließend im Evangelischen Wohnstift der Diakonie Kulmbach gearbeitet. Die Zusammenarbeit mit dem Team und der Austausch mit den Bewohnern haben die Sprachbarriere jedoch schnell überwunden. Bereits ein Jahr später folgte die Ausbildung zur Altenpflegerin, heute Pflegefachkraft. Seit 2019 ist sie im Mainleuser Stift tätig und seit Oktober 2024 als Wohnbereichsleitung.
In dieser Funktion koordiniert und organisiert sie den Alltag in ihrem Wohnbereich mit rund 30 Bewohnern. Gleichzeitig arbeitet sie weiterhin direkt in der Pflege.
Für die Zukunft vorsorgen
Doch Elizangela Silva de Santana Juhas möchte auch für die Zukunft vorsorgen, eine Chance auf etwas Neues haben, aber weiterhin für Menschen da sein. Die Weiterbildung zur Pflegedienstleitung ist für sie deshalb ein wichtiger nächster Schritt. Den Basiskurs hat sie bereits erfolgreich absolviert. Dreimal pro Woche fuhr sie dafür zum bfz Bayreuth – zusätzlich zu ihrer Vollzeitstelle.
Frühdienst im Mainleuser Stift, anschließend ins Auto und nach Bayreuth zum Unterricht: Für Elizangela Silva de Santana Juhas gehörte dieser Einsatz viele Monate zum Alltag. Sie hätte ihre Arbeitszeit reduzieren können, doch sie schätzt den Kontakt zu den Menschen: „Das ist ein Ausgleich für mich, wenn ich dann den ganzen Nachmittag sitze und lerne.“ Zugleich sieht sie ihren Beruf als Beitrag, den sie der Gesellschaft leistet und als eine Art Schatz: „Ich schenke den Menschen Zeit, das ist das Wertvollste, was es gibt.“ Für Heimleitung Kerstin Tremel ist sie eine echte Powerfrau mit ganz viel Herz.
Ein Kiosk, der mehr als Einkaufen bedeutet
Im Rahmen ihrer Weiterbildung entwickelte sie ein neues Projekt, das heute weit mehr als nur eine Seminaraufgabe ist: Im Mainleuser Stift ist der Mobile Kiosk längst zur Herzensangelegenheit und zum Treffpunkt geworden.
Einmal pro Woche wird der Gemeinschaftsraum zum Nachbarschaftsladen. Ein bunter Wagen hält dabei eine kleine, aber breite Auswahl an Lebensmitteln, Süßigkeiten, Drogerieartikeln und vielem mehr bereit. Übersichtlich präsentiert können die Bewohner selbst daraus auswählen und einkaufen.
„Natürlich werden die Menschen hier gut versorgt und auch viele Angehörige bringen Sachen mit, aber das ist etwas anderes als selbst einkaufen. Was für jüngere Menschen selbstverständlich ist, kann für die Senioren ein Stück Selbstbestimmung und Normalität bedeuten.“, erklärt Elizangela Silva de Santana Juhas. Gleichzeitig bringt das Angebot Menschen zusammen – vor dem Kiosk wird geredet, gelacht und sich ausgetauscht.
Wenn ein gewünschter Artikel nicht verfügbar ist, versuchen die Mitarbeiter des Sozialdienstes oder Schwester Eli diesen vor dem nächsten Einkaufstermin zu besorgen. Der mobile Kiosk soll sich an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren und wird deshalb gemeinsam mit ihnen und den Mitarbeitenden stetig weiterentwickelt.
Für Elizangela Silva de Santana Juhas ist das ein gutes Beispiel dafür, was Pflege heute leisten kann: Nicht nur versorgen, sondern den Menschen möglichst viel Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität ermöglichen.
Und auch für sie selbst geht der Weg weiter. Von der Mitarbeiterin im Gesundheitsamt in Brasilien über die Praktikantin und Pflegefachhelferin bis zur Pflegefachkraft und Wohnbereichsleitung hat sie sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Mit Unterstützung der Diakonie Kulmbach nimmt sie nun auch den nächsten Schritt in Angriff: die Pflegedienstleitung. Im Sommer 2027 möchte sie diese Weiterbildung erfolgreich abschließen. Dann sei auch wieder mehr Zeit für Bücher, Spaziergänge und Ausflüge mit ihrer Familie. Bis es zur nächsten Schicht geht, denn ihr Herzensziel bleibt dabei dasselbe wie zu Beginn ihres Praktikums: mit Menschen arbeiten und für Menschen da sein.



