Interkulturelle Frauengruppe: Eine starke Initiative zur Selbsthilfe

  • Geschwister-Gummi-Stiftung

Vorstellung zum "Internationalen Tag für Toleranz" 1m 16.11.21

Regelmäßig und mit immer neuen Teilnehmerinnen treffen sich seit 2017 neu zugewanderte Frauen im Familientreff der Geschwister-Gummi-Stiftung zum Austausch, aber auch zur Selbsthilfe und zur Netzwerkarbeit. Dabei finden auch immer wieder gemeinsame Aktionen mit Frauen deutscher Herkunft statt. Warum Engagement und Bereitschaft, anderen zu helfen, nicht an ein Herkunftsland geknüpft sind.

 

„Bratwurst meets Falafel“ , Mitwirkung bei der interkulturellen Woche und Ausflug nach Schloss Seehof: Diese Aktionen der Interkulturelle Frauengruppe der Geschwister-Gummi-Stiftung zeigen vor allem eines: Offenheit für Begegnung und die neue Heimat. Seit 2017 treffen sich Frauen verschiedenster Herkunft im Familientreff der Geschwister-Gummi-Stiftung zum Austausch. Im Mittelpunkt dabei steht die Weitergabe an persönlichen Erfahrungen ihrer jeweiligen Integrationsbiografie oder zum Schulwesen in Deutschland, ihrer Haltung zu Bildung, Erziehung und Demokratie sowie dem gesellschaftlichen Zusammenleben. Rund 20 Frauen kommen wöchentlich zum Gespräch in den Familientreff und organisieren darüber hinaus beispielsweise Hilfe bei Umzügen, halten Sprachkurse für arabische Kinder, helfen im Jugendamt als Dolmetscherinnen oder beraten bei Fragen bezüglich Kindergarten oder Schulbildung. Sie besuchen die Gemeinschaftsunterkünfte und nehmen Neuangekommen in Empfang „Die Vermittlung von Betroffenen, die auch schon in derselben Situation waren, kann wirksamer und hilfreicher sein. Sie können realistisch einschätzen, welche Informationen benötigt werden“, so Elsbeth Oberhammer, Leiterin des Familientreffs

Die Gruppe ist dabei nicht isoliert, vielmehr liegen ihnen die Begegnung, das Gespräch und der Kontakt mit Frauen deutscher Herkunft am Herzen. Sprachpatinen nehmen regelmäßig an den Treffen teil. Vor kurzem etwa besuchten sie bereits zum zweiten Mal die Seniorenwohnanlage Mainpark der Diakonie Kulmbach. Die arabischen Frauen erzählten von ihrer Heimat und ihrer Geschichte, so manche Seniorin dagegen von ihrer eigenen Kriegserfahrung und Flucht. Auch im Rahmen verschiedener Kochabende im MUPÄZ wurden nicht nur Rezepte, sondern ganz viel Persönliches ausgetauscht.

Zwischen Anpassung und Bewahrung

„Für eine gelungene Integration ist es wichtig, sich über unterschiedliche Sichtweisen und Werthaltungen, Gemeinsamkeiten aber auch Diversitäten auszutauschen,“ so Elsbeth Oberhammer. Deshalb stehen im Mittelpunkt Fragen wie zum Beispiel: Wie können wir unsere Werte leben und behalten? Was verändert sich gerade? Was wollen wir integrieren und neu dazu lernen? „Erst dann kann eine tatsächliche Auseinandersetzung mit der Aufnahmegesellschaft erfolgen.“

Vorhandene Ressourcen und Kompetenzen kommen wieder zum Tragen und die Frauen helfen dabei, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen. Gemeinsame Ausflüge, etwa nach Weimar oder Nürnberg, bereichern dabei den neuen Erfahrungsschatz.

Die Frauengruppe war Teil eines Forschungsprojektes der Goethe Universität Frankfurt. Im Rahmen eines Miniprojektes haben sich die Frauen mit dem Thema „Fit für Erziehung und Ausbildung“ beschäftigt. Auch hier ist der lebendige Austausch unter den Frauen mit Freundinnen, Nachbarinnen, Sprachpatinnen wichtig.

Aus der kleinen Frauengruppe hat sich eine starke Initiative zur Selbsthilfe unter den Neuzugewanderten gebildet, die darüber hinaus wirkt. Bereits 2019 wurden sie mit dem 2. Platz der Begegnungshelden, Wettbewerb des Projekts „Helden der Heimat Oberfranken“ der Adalbert-Raps-Stiftung ausgezeichnet.

Auch in Zukunft möchte die Interkulturelle Frauengruppe weitere Teilnehmerinnen für die „Interkulturelle Frauengruppe“ gewinnen und in weiteren Aktionen die verschiedenen Kulturen zusammenführen. Ganz getreu der Prämisse: „Ich will meine neue Heimat verstehen lernen.“

Die „Interkulturelle Frauengruppe“ wird über die Bundesmittel Förderung der Mehrgenerationenhäuser gefördert. Wertvolle Unterstützung erfährt das Projekt zudem durch Integrationslotsin Souzan Nicholson, die die ehrenamtlich tätigen Menschen betreut.

Weitere Integrationsprojekte des Mehgenerationenhauses der Geschwister-Gummi-Stiftung wie die „Sprachpaten“ oder die „Interkulturelle Spielegruppe“ sind eng mit der Frauengruppe verknüpft.

 

Weitere Informationen unter gummi-stiftung.de/integrationsprojekte

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