„Das ist mehr als nur Technik, das ist Selbstständigkeit.“
Die Handysprechstunde der Diakonie Kulmbach ermöglicht Senioren mehr Teilhabe
Mit einem Lächeln verlässt Lore M. die Handysprechstunde im Ladentreff der Diakonie Kulmbach am Mittwochmorgen. Sie konnte gemeinsam mit anderen Teilnehmenden viel lernen. Schnell zückt sie ihr Handy und macht ein Foto einer weißen Pfingstrose, die im Park blüht. Sie schickt es an ihre Enkelin und schreibt: „Ich wünsche dir einen tollen Tag.“
Was für viele Menschen selbstverständlich ist, war für sie lange eine Herausforderung: das sichere Bedienen ihres Smartphones. Unsicherheit und die Sorge, etwas falsch zu machen, hielten sie oft davon ab, neue Funktionen auszuprobieren.
„Meine Kinder und Enkel leben nicht in der Nähe. Zwar haben sie es mir schon oft gezeigt, wenn sie da waren, aber irgendwie hat immer etwas nicht geklappt“, erzählt sie, heute mit einem Lächeln. „Oft habe ich mich ausgeschlossen gefühlt, wenn Freundinnen von Fotos, Nachrichten oder Videoanrufen mit ihren Enkeln gesprochen haben. Aber erklären oder einen Fehler beheben konnten die auch nicht.“
Der Wunsch, mit ihrer Familie einfacher in Kontakt zu bleiben, brachte sie schließlich in die Handysprechstunde für Senioren.
Dort widmete sich der ehrenamtliche Leiter Frank Schiebel ihren Wünschen und Problemen – ganz ohne Zeitdruck und „von Grund auf“. Schritt für Schritt lernte sie, Fotos zu verschicken, Nachrichten zu schreiben und an Videoanrufen teilzunehmen. Was zunächst kompliziert erschien, wurde mit jeder Erklärung ein Stück leichter.
Und Lore M. möchte wiederkommen. „Das muss ja trainiert werden und es gibt noch so viel zu entdecken.“ Sie sei zwar auch der Typ Zeitung- und Bücherleser, freut sich aber auch darauf, die digitale Welt näher zu entdecken. „Nur, wenn ich die Technik nutzen kann, kann ich wirklich selbst entscheiden, was ich wie mache. Ob persönlich, in Papierform oder mit dem Handy.“
Für letzteres hat sie auch schon eine Idee: Sie möchte demnächst mal eine Umfrage in Whatsapp für ihre Freunde erstellen, wann sie das nächste Mal wandern gehen können. „Und wenn sie da nicht antworten können, bringe ich sie zur Handysprechstunde einfach mal mit!“
Die Handysprechstunde der Diakonie Kulmbach vermittelt nicht nur technisches Wissen. Sie schenkt Menschen Selbstvertrauen, baut Berührungsängste ab und eröffnet neue Wege der Teilhabe. Für Frau Lore M. war der Besuch weit mehr als eine technische Beratung. „Ich habe nicht nur gelernt, mein Handy zu bedienen. Ich habe ein Stück Unabhängigkeit zurückgewonnen.“
Geschichten wie diese zeigen, wie wichtig persönliche Unterstützungsangebote in einer zunehmend digitalen Welt sind. Denn hinter jeder Frage zum Smartphone steht oft mehr als nur Technik – es geht um Verbindung, Teilhabe und das gute Gefühl, dazuzugehören.
Die Handysprechstunde der Diakonie Kulmbach findet jeden Mittwoch von 9 bis 10 Uhr im Ladentreff, Schwedensteg 8 in Kulmbach, statt. Das Angebot ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Der Ladentreff ist auch MuT-Punkt und Teil des Modellprogramms „Digital mit 60+“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales, an dem der Landkreis Kulmbach teilnimmt.

